Jedes Mal, wenn der Jesus-Film um die Osterzeit im Fernsehen lief, musste ich als Kind bei der Kreuzigungsszene wegschauen. Ich verbarg mein Gesicht immer hinter einem Kissen. Wie konnte man jemanden wie Jesus nur kreuzigen? Er war doch gut und unschuldig? Wenn es jemand nicht verdient hat zu sterben, dann Jesus?

Das ist eine der Absichten von Matthäus, dem Leser klarzumachen, hier ist jemand, der die Kreuzigung absolut nicht verdient hat. Selbst Judas Iskariot, der ihn verriet, musste das erkennen und bekennen:

und sprach: Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! 

Die Bibel. (LU84)

Nicht nur Judas bekennt Jesu Unschuld, auch Pilatus, der römische Statthalter, der letztlich die Kreuzigung zuließ (27,18.23-24) und dessen Frau (27,19). Nicht nur, dass sie einen Unschuldigen kreuzigten, sondern sie haben Gottes Sohn, den Christus, den König umgebracht. Dies bezeugte der Hauptmann unter dem Kreuz und die anwesenden Soldaten (27,54), Pilatus deutet es an (27,11.17.22.37) und Jesus selbst (27,11). Diesen Messias haben die Soldaten verspottet und angespuckt (27,29.31), die Vorübergehenden lästerten über ihn (27,39), auch die religiösen Anführer spotteten (27,41).

Das ist schon schlimm: Ein Unschuldiger wird zum Tode verurteilt, dieser Unschuldige war nicht irgendwer, sondern der Messias, und dann wird Gottes Sohn auch noch von den anwesenden Menschen verspottet. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz (Phil 2,8). Wichtig ist dabei das Wort er. Nicht die Oberen des Volkes, nicht Pilatus, nicht die Soldaten oder irgendjemand sonst, sondern er hat diesen Entschluss gefasst, sich erniedrigen zu lassen. Er, der in göttlicher Gestalt war (Phil 2,6), hat sich für mich, für dich, für alle Menschen erniedrigt!

Es war kein Unfall, es war alles lange schon geplant, ehe der Welt Grund gelegt war … in ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden (Eph 1,3-7). Matthäus macht dies in seinem Evangelium immer wieder deutlich, auch hier in Kapitel 27, wo er immer wieder den Bezug zu den Vorhersagen des Alten Testament herstellt (27,9; 27,34.48, vgl. Ps 69,2227,35; vgl. Ps 22,1927,46, vgl. Ps 22,2). Ich kann Jesus nur danken, was er für meine Erlösung alles auf sich nahm!