Auf wen kann ich mich verlassen? Ich bin sehr dankbar, dass ich eine Familie habe, die mich unterstützt, die zu mir hält und mich liebt. Ihnen kann ich vertrauen. Leider gibt es viele Familien, in denen das nicht so ist. Selbst dem Ehepartner kann man oft nicht vertrauen, sonst würden nicht so viele Ehen geschieden werden und auseinandergehen.
Micha spricht dieses mangelnde Vertrauen in Bezug auf sein Volk an. Die Mächtigen und Regierenden schauen nur auf sich selbst und sind korrupt. Es gibt keine verlässliche Wahrheit mehr, im Gegenteil, sie wird verdreht (Mi 7,3). Er vergleicht die Besten von ihnen mit einem Dornstrauch (Mi 7,4). Das beschreibt gut, wie dürr, unangenehm und fruchtlosdie Situation war. Das Vertrauen in den Nächsten und sogar in den Freund ist verschwunden (Mi 7,5). Nicht einmal den engsten Vertrauten in der Familie kann man nicht mehr glauben. Es herrscht Krieg in der eigenen Familie (Mi 7,6).
So beschreibt Micha die Situation, in der er sich befindet. Aber er hat jemanden gefunden, dem er in diesem Chaos voll und ganz vertrauen kann.
Ich halte Ausschau nach dem HERRN. Ich will auf Gott warten, der mir hilft: Mein Gott wird mich gewiss hören.
Die Bibel. (BB)
Es ist Gott, auf den er sich verlässt. Wenn alle Stricke reißen, wenn mich sogar meine engsten Familienangehörigen verlassen, gibt es einen, zu dem ich immer kommen kann. Das ist nicht ein Heile-heile-Gänschen-Trost, sondern eine Gewissheit, die sich in der Vergangenheit gezeigt hat, aber sich auch in meiner eigenen Geschichte immer wieder bewahrheitet. Gott ist nicht selbstzentriert. Er sucht nicht sein Bestes. Wegen uns hat er sogar seinen geliebten Sohn Jesus geopfert! Er dreht nicht sein Wort im Mund um, sondern was er sagt, das hält er. Er ist unbestechlich, er ist gerecht. Er ist keine Dornstrauch, sondern lebendig und fruchtbar. Das ist unser Gott!
Micha richtet seinen Blick auf ihn. Er wartet auf seine Hilfe. Warten wird in anderen Übersetzungen mit harren übersetzt. Es unterstreicht das vertrauensvolle Warten, die absolute Gewissheit, dass Gott handeln wird. Es ist ein hoffnungsvolles und geduldiges Warten, das durchaus auch Zeit erfordert. Es ist wie das Ausharren einer Spinne, auf das Zappeln in ihrem Netz. Kennzeichnet solch ein Warten auch meinen Glauben?