Wenn jemand am Untergehen ist und verzweifelt um Hilfe ruft, bleibe ich da am Ufer stehen oder versuche ich, denjenigen zu retten? Wenn ich derjenige bin, der am Ertrinken ist, hoffe ich, dass die Person am Ufer mich retten will, und nicht nur dumm rumsteht (und vielleicht noch das Ganze mit dem Handy filmt).
Israel war am Untergehen. Sie wurden seit 605 v. Chr. mehrmals von den Babyloniern bedrängt. Aber ihr Brudervolk, die Edomiter, haben nur zugeschaut und sind nicht zur Hilfe gekommen.
Als Fremde sein Heer gefangen nahmen und in seine Ortschaften einrückten, hast du nur untätig dagestanden. Als sie Jerusalems Besitz verteilten, hast du dich sogar verhalten wie einer von ihnen.
Die Bibel. (BB)
Die Edomiter stammen von Esau, dem Zwillingsbruder Jakobs, der auch Israel genannt wurde, ab . Sie waren Brudervölker. Aber Edom war das egal, ob Israel erobert wurde. Die Edomiter hatten nur untätig dagestanden. Sie hatten sogar ihre Freude daran (Obd 12) und beteiligten sich an Israels Zerstörung. Sie bereicherten sich am zerstörten Jerusalem (Obd 13) und brachten sogar ihre Geflüchteten um (Obd 14). All das, hat Gott gesehen. Es wird es nicht unter den Teppich kehren, nicht ungestraft lassen. Er wird es bestrafen. Wie du getan hast, soll dir wieder geschehen, und wie du verdient hast, so soll es auf deinen Kopf kommen (Obd 15).
Wie sieht es da bei mir aus? Leide ich, wenn andere verloren gehen? Ist es mir egal? Denke ich: Hauptsache ich bin am sicheren Ufer? Und was ist mit meinen Glaubensgeschwistern. Leide ich, wenn es ihnen schlecht geht? Ermutige ich sie, wenn sie verfolgt werden? Bete ich für sie? Es ist sicherlich wahr, dass man nicht allen Nöten begegnen kann. Keiner von uns kann sich zerreißen. Aber Gott hat mir Menschen in meinem Umfeld geschenkt, denen ich helfen soll. Vielleicht bin ich der einzige, der am Ufer steht und den Hilfeschrei hört. Mache ich mich auf und setze ich dabei sogar mein eigenes Leben aufs Spiel (Röm 9,3)?
Die Menschen sind am Untergehen. Sie schreien um Hilfe. Wir haben keine Ausrede und können nicht behaupten, dass wir die Hilfeschreie nicht gehört hätten. Wo kann ich in diesen Tagen, einem in Not Geratenen in meinem Umfeld, zur Hilfe kommen?