Wie oft verlassen wir uns auf Menschen und fühlen uns am Ende von ihnen verlassen. Man vertraut dem anderen seine intimsten Geheimnisse an, um sie ein paar Tage später dann von anderen Personen erzählt zu bekommen.

So ähnlich muss es Josef gegangen sein, als er im Gefängnis dem Mundschenk des Pharaos sagte: Bitte denk an mich, wenn es dir wieder gut geht! Tu mir den Gefallen und erwähne mich beim Pharao. Hol mich bitte aus diesem Gefängnis heraus! (Gen 40,14). Die ernüchternde Realität sah aber anders aus. Der Mundschenk vergaß ihn (Gen 40,23). Was für eine Enttäuschung das für Josef gewesen sein muss. Der Mundschenk hatte ihn im Stich gelassen.

Aber Gott nicht. Er hat dem Mundschenk zum rechten Zeitpunkt Josef wieder in den Sinn gebracht. Als der Pharao unter anderem einen Traum von sieben fetten und mageren Kühen hatte, und ihm niemand die Deutung sagen konnte (Gen 41,1-8), da fiel es dem Mundschenk plötzlich wieder ein.

Da sagte der königliche Mundschenk zum Pharao: »Heute muss ich ein Versäumnis gestehen.

Die Bibel. (BB)

Er erzählte dem Pharao von Josef, wie er dem Bäcker und ihm damals die Träume richtig gedeutet hatte. Josef wurde daraufhin aus dem Gefängnis geholt, deutete den Traum des Pharao und konnte so, das ägyptische Volk aber auch die Familie Israel vor dem Hungertod bewahren.

Die Bibel berichtet uns, dass zwei Jahre zwischen der Bitte Josefs an den Mundschenk und dessen Erinnern an diese Bitte gelegen haben (Gen 41,1). Eine sehr lange Zeit, wenn du im Knast sitzt! Wie enttäuscht muss Josef gewesen sein. Er hatte so große Hoffnungen in den Mundschenk gelegt. Er hatte gehofft, dass dieser ein gutes Wort für ihn einlegen würde. Zwei Jahre geschah nichts! Nach zwei Jahren aber hat Gott gehandelt und die Erinnerung an Josef in den Gedanken des Mundschenks wieder wach geküsst.

Wir setzten unsere Hoffnung nicht in Menschen. Diese können uns enttäuschen. Wir setzen unsere Hoffnung in Gott, denn er enttäuscht uns nie (Ps 22,5-6; 31,15; 39,8; Hos 12,7). Auf ihn ist immer Verlass. Er handelt vielleicht nicht immer so, wie ich es will oder wann ich es will, nämlich sofort, sondern wenn es richtig und gut ist. Aber er handelt!