Viele Leute umgeben den König David bei seinem Wiedereinzug in Jerusalem. Das sind ganz unterschiedliche Leute. Bei manchen weiß man nicht so recht, ob sie jetzt auf der Seite Davids stehen oder nicht. Einer davon ist Schimi. Bei Davids Flucht war er noch derjenige, der den König verfluchte und ihn mit Steinen bewarf (2 Sam 16,5-6). Jetzt bei dessen Rückkehr macht er sich auf, um dem König zu begegnen. Schimi aber, der Sohn Geras, fiel vor dem König nieder, als dieser über den Jordan gehen wollte, und sprach zum König: Mein Herr rechne es mir nicht als Schuld an und denke nicht mehr daran, dass dein Knecht sich an dir vergangen hat an dem Tage, da mein Herr, der König, aus Jerusalem ging, und der König nehme es nicht zu Herzen (2 Sam 19,19-20). War das echte Reue? War das nur eine oberflächliche Reue, weil er sah, dass David noch am Leben war und es somit am besten sei, Reue und Demut zu zeigen, und so am Leben zu bleiben? Schimi war immerhin aus dem Geschlecht des Sauls. Das Verfluchen und Steinewerfen kann man dann durchaus nachvollziehen. Es gibt viel zu spekulieren.

Abischai rät ihm noch, Schimi auf der Stelle umzubringen, nachdem was alles geschehen war (2 Sam 19,22). Abischai war einer, der treu zu David stand, aber die Schonung eines anderen war ihm fremd. Wer einen Fehler begangen hatte, musste dafür büßen und sterben. Und wie reagiert David?

Dann sagte der König zu Schimi: »Du wirst nicht sterben!« Und der König schwor es ihm.

Die Bibel. (BB)

Das zeigt die Art Davids. Er war geprägt von Gnade, nicht Rache. Wenn man sich das mal vorstellt, was das für David bedeutete. Es ging darum, sein Gesicht vor der Öffentlichkeit zu verlieren. Er war als König, beschimpft, verflucht und sogar mit Steinen beworfen worden. Was würde ich tun, wenn ich eine solche Chance zur Revanche gehabt hätte? Hätte ich wie Abischai zur Rache gegriffen?

David hatte ja viele Schlachten geschlagen und viel Blut an seinen Händen gehabt, aber wenn ihn jemand so persönlich angriff, war er immer der Mann der Gnade und Vergebung. Er überließ das Gericht dem, dem es zusteht, nämlich Gott. Selbst handelte er aus Gnade.