Wir sind schnell dabei, Negatives über den Staat zu sagen: Die da oben wollen doch nur unser Geld. Warum tut der Staat nichts gegen die steigenden Mietpreise? Oder Sätze wie: Der Staat tut ohnehin nichts für mich, hört man immer wieder. Auch bei manchen Christen hat der Staat ein schlechtes Ansehen.

Neben vielem Unrechten, was in unserem Staat läuft, sollten wir aber nicht vergessen, was der Staat alles für uns Christen tut.In vielen Fällen schützt er uns sogar.

Selbst das Römische Reich gewährte Paulus gewisse Rechte, auch wenn es schließlich für seine Hinrichtung verantwortlich war. Zu jener Zeit regierte Kaiser Nero in Rom, ganz sicher kein Christenfreund. Nero hatte das letzte Wort, auch wenn Institutionen wie der Senat mitredeten. Als ein Mordanschlag von manchen religiösen Juden auf Paulus geplant und den Römern bekannt wurde, war es der römische Staat, in Person des römischen Oberst Klaudius Lysias, der eine Schutzhaft und eine anschließende ordentliche Gerichtsverhandlung für Paulus veranlasste. Er schrieb dem Statthalter Felix:

Nun ist mir gemeldet worden, dass ein Anschlag auf ihn vorbereitet wurde. Deshalb habe ich ihn sofort zu dir geschickt. Die Kläger werde ich anweisen, bei dir ihre Sache gegen ihn vorzutragen.

Die Bibel. (NeÜ)

Paulus entkam so dem sicheren Tod. Gott hatte noch etwas mit ihm vor und gebrauchte sogar einen dem christlichen Glauben letztlich feindseligen Staat für das Durchführen seines Willens. Paulus lebte anschließend wahrscheinlich noch fünf bis sechs Jahre, ehe er dann im Rahmen der Christenverfolgung unter Nero im Jahre 67 geköpft wurde. So berichten es außerbiblische Quellen. Dies geschah aber auch nur deshalb, weil Gott es zugelassen hatte, sonst hätte auch ein Nero diese Befugnis nicht gehabt.

Ich glaube nicht an den Staat, sondern an Jesus. Aber er hat den Staat eingesetzt und dazu bemächtigt, weltliche Dinge zu entscheiden und durchzusetzen. Nicht immer (oder eher selten) sind das gottgefällige Urteile, aber dafür müssen sich die Herrschenden und die Regierungen selbst vor Gott verantworten. Es ist nicht meine Aufgabe, den Staat zu verurteilen, sondern die Möglichkeiten zu nutzen, die er mir als Christ gewährt. Das hat Paulus mehrmals gemacht. Er hat sein römisches Bürgerrecht dazu benutzt, um die Ausbreitung des Evangeliums voranzutreiben (Apg 16,37-38; 22,25-28; 25,10-12).