Wir leben in einer sehr schnelllebigen Welt. Alles muss ruckzuck gehen. Die Schule und das Studium so schnell wie möglich erledigen, ein Auslandsjahr macht sich in der Bewerbung gut, und dann sofort in die Arbeitswelt eintauchen. Die Devise lautet, so schnell wie möglich auf der Karriereleiter nach oben zu klettern.
So war die Karriere, die Saulus, den wir auch als Paulus kennen, hingelegt hatte. Sein Lebenslauf als Vorzeige-Jude war blitzsauber. Er konnte prahlen, unter anderem mit seinem Studium der jüdischen Theologie. Er war an der besten Uni eingeschrieben und hatte den bekanntesten und angesehensten Professor der damaligen Zeit. Paulus war ein Eiferer für den jüdischen Glauben (Apg 22,3). Er rühmte sich mit der Verfolgung der Christen (Apg 22,4) und als ein Mitglied der religiösen Partei der Pharisäer (Phil 3,5).
Nach seiner Bekehrung stellte ihn Gott zuerst mal auf das Abstellgleis! Er zog für drei Jahre in die arabische Wüste (Gal 2,17). Es war für ihn eine wertvolle Vorbereitungszeit. Er nahm seine Schriftrollen vom Alten Testament mit sich und studierte diese, jetzt aber christuszentriert. Er suchte also Jesus im Alten Testament. Danach predigte er für circa zehn Jahre in den römischen Provinzen Syrien und Zilizien (Gal 1,21-23).
Er verschwand für viele Jahre von der Bildfläche. Ab Apostelgeschichte 9,31 lesen wir nichts mehr von ihm. Erst als die erste heidnische Gemeinde in Antiochia entstand, taucht er wieder auf.
Zehn bis vierzehn Jahre war Paulus verschwunden. Waren es Jahre der Verschwendung, des Stillstands und des Nichtstuns? Nein, Paulus brauchte diese Zeit, auch wenn er selbst das vielleicht ganz anders sah. Gott wusste, dass er diese Vorbereitungszeit benötigte, um später dann für seinen Dienst bestens vorbereitet zu sein.
Uns geht es manchmal auch nicht schnell genug. Nach der Bekehrung wollen manche gleich die ganze Welt verändern und Großes tun. Gott weiß aber, dass wir Menschen eine Vorbereitungszeit benötigen. Wäre es nicht ratsam, aus dem Hamsterrad unserer Gesellschaft auszubrechen und sich eine Auszeit zu gönnen? Eine Bibelschulzeit, Jüngerschaftsschule oder ein sonstiges Vorbereitungsjahr ist ein großer Segen für einen selbst, aber auch für andere. Es ist keine Verschwendung, sondern die beste Investition für das Leben.
