Stephanus ist als erster Märtyrer bekannt. In unserem Verständnis handelt es sich dabei um eine Person, die wegen ihres Glaubens an Jesus sogar den eigenen Tod auf sich nimmt.

Stephanus wurde vorgeworfen, dass er gegen die Tora und den Tempel ist und dagegen lehrt. Dafür wurde er auch vom jüdischen Hohen Rat (Sanhedrin) angeklagt. Dabei war es ein abgekartetes Spiel:

Dort ließen sie falsche Zeugen auftreten, die aussagten: Dieser Mensch greift in seinen Reden immer wieder unseren heiligen Tempel und das Gesetz an.

Die Bibel. (NeÜ)

Die Ankläger wussten, dass ihre Anklage falsch und haltlos war, aber aus Frömmigkeit und Pflichtbewusstsein täuschten sie vor, ganz nach der Tora zu handeln. Sie warfen Stephanus mit diesen Anklagepunkten Gotteslästerung vor (Apg 6,11), was in den Mosebüchern (der Tora) verboten wird (Ex 22,27). Nach jüdischem Recht hatte dies die Todesstrafe durch Steinigung zur Folge (Lev 24,16).

Beim ganzen Prozess wurde eine ordentliche Gerichtsverhandlung vorgetäuscht, bei der es eine Anklage gab, die durch mindestens zwei Zeugen (Dtn 17,6) bestätigt wurde. Danach durfte der Angeklagte sich verteidigen (Apg 7,1-53).

Wenn wir aber genau hinschauen, dann handelte es sich bei den Zeugen, die sie aufstellten, wissentlich um falsche Zeugen. Außerdem hörten sie Stephanus’ Verteidigungsrede gar nicht bis zum Schluss an (Apg 7,54). Sie sahen sein Gesicht während seiner Verteidigungsrede wie das eines Engels leuchten (Apg 6,15). Das hätte sie zum Nachdenken bringen müssen. Stattdessen reagierten sie nur sehr emotional, voller Wut (Apg 7,54). Ein ordentliches Gerichtsurteil wird anhand von Indizien auf der Basis von Recht und Gesetzen gefällt, nicht aufgrund von Gefühlen. Daraufhin steinigten sie Stephanus (Apg 7,58), was gegen damaliges römisches Recht verstieß. Nur die Römer durften nämlich ein Todesurteil vollstrecken (Anmerkung: Deshalb gingen sie auch mit Jesus zu Pilatus). Amnesty International wäre zu Recht empört und würde diesen Schauprozess als ungerecht und unfair bezeichnen.

So wurde Stephanus zum ersten Märtyrer. Im wörtlichen Sinne des griechischen Wortes sind alle Christen Märtyrer, denn es kann auch mit Zeuge übersetzt werden. Wir bezeugen Jesus, was er in unserem Leben tut und das, was er in der Bibel sagt. Dafür sollen wir Zeugen sein (Lk 24,48). Der Zeuge kann dabei auch zum Märtyrer werden. Bin ich bereit, für Jesus bis zum Äußersten zu gehen?