Als Bergwanderer habe ich ein T-Shirt auf dem Wanderer in den Bergen abgebildet ist und wo darunter steht: Ich kenn da ne Abkürzung. Das ist in den Bergen eine ganz schlechte Idee. Wie schnell steht man dann ein einem gefährlichen Abgrund oder einem unüberwindbaren Hindernis.
Manchmal meine ich auch in meinem Leben mit Gott eine solche Abkürzung zu kennen. Ich will Gott etwas nachhelfen, weil ich denke, eine Situation oder Lage besser einschätzen zu können als er. Was für ein schwachsinniger Gedanke!
David dagegen konnte geduldig auf das Handeln Gottes warten. Er brauchte keine Abkürzungen, gleich gar keine, die Gott im Gesetz klar verboten hatte (Ex 20,13). Er konnte sogar gut gemeinten und fromm klingenden Aussagen widerstehen. Seine Soldaten hatten doch recht, oder?
Die flüsterten ihm zu: „Sieh doch, das ist der Tag, von dem Jahwe dir gesagt hat: Pass auf, ich werde deinen Feind in deine Hände geben, und du kannst mit ihm machen, was du willst.“ Da stand David auf und schnitt heimlich einen Zipfel von Sauls Obergewand ab.
Die Bibel. (NeÜ)
Diese Zusage und Anweisung Gottes, die er anscheinend zu David gesagt haben soll, hat er aber so nie gesagt, zumindest finden wir sie nicht in der Bibel. Gott sagte nur später zu David: Ich…habe alle Feinde vor dir ausgerottet (2 Sam 7,9). Gott ist derjenige, der die Feinde aus dem Weg räumt, nicht irgendein Mensch.
David wusste schließlich, dass Saul der Gesalbte des HERRN war und er kein Recht hatte, ihn umzubringen (1 Sam 24,7). Er würde Gottes Wege niemals abkürzen, das göttliche Recht in sein eigenes umwandeln und danach handeln. Allein das Abscheiden des Rockzipfels war für ihn schon etwas, was sein Herz zum Pochen brachte (1 Sam 24,6).
Wie oft sitze ich Ratschlägen von Glaubensgeschwistern auf, die behaupten, im Namen Gottes zu reden? Gott hat mir gesagt… Gott hat durch Propheten und Apostel geredet, aber beides gibt es heute so nicht mehr. Apostel mussten damals, unter anderem, Zeugen der Auferstehung sein (Apg 1,21-22). Propheten mussten eine hundertprozentige Trefferquote ihrer Ankündigungen haben (Dtn 18,21-22). Beides trifft heute so auf niemanden zu. Deshalb ist und bleibt die Bibel der Maßstab, in der ich Gottes Wahrheit erkennen darf.
