Ungeklärte Missverständnisse bergen großes Potential für Streit und Trennung. Die Ampel zeigt grün. Der Beifahrer sagt: Die Ampel ist grün. Er macht eine Beobachtung und äußert diese. Der Fahrer versteht aber: Du bist ein schlechter Fahrer. Fahr endlich los! Der Streit ist da, obwohl alles mit einem einfachen sachlichen Hinweis begann. Manchmal sagen wir etwas, was beim anderen komplett anders ankommt.

Manchmal tut man auch etwas, was beim anderen anders ankommt. So war es bei Israel und den zweieinhalb Stämmen, die ihr Erbteil östlich des Jordans zugeteilt bekamen.

Als sie zu den Steinmalen des Jordan kamen, die noch in Kanaan liegen, bauten die Männer von Ruben, Gad und Ost-Manasse dort einen großen Altar.

Die Bibel. (NeÜ)

Sie bauten einen großen Altar, um, wie wir später erfahren, eine Abtrennung von den Stämmen westlich des Jordans zu verhindern. Sie wollten folgendes verhindern, dass diese (westlich des Jordans) nicht sagen dürfen zu unsern Söhnen (östlich des Jordans): Ihr habt kein Teil an dem HERRN (Jos 22,27).

Die Stämme westlich des Jordans hatten den Bau des Altars aber komplett falsch interpretiert und ein Bürgerkrieg drohte (Jos 22,33). Sie dachten, dass der Bau des Altars ein klares Zeichen des Abfalls von Gott wäre (Jos 22,16). Ihnen war aus den Fehlern der Vergangenheit bewusst, dass die Sünde eines einzelnen, Konsequenzen für ganz Israel haben würde. Sie unterstrichen ihre Sorge mit den Namen Peor und Achan (Jos 22,17.20). Das waren offensichtlich Ereignisse, die sich tief in das Gedächtnis des Volkes eingebrannt hatten, obwohl diese Jahre zurücklagen (Num 25,1-18; Jos 7,1-26).

In Silo war das Heiligtum, nur dort durfte man Opfer bringen. Der Bau eines großen Altars direkt am Jordan war demnach für die Stämme westlich vom Jordan eine große Sünde gegen Gott. Gut, dass sie vor einem drohenden Bürgerkrieg noch den Priester Pinhas senden, um sie auf die, aus ihrer Sicht, Sünde hinzuweisen. Nach der Klarstellung löste sich ein großes Missverständnis auf. Statt Krieg war Frieden, statt Streit Einigkeit hergestellt.

O, wie würde das unseren Gemeinden und manchen Beziehungen unter Christen guttun! Anstatt übereinander zu reden, miteinander reden. Anstatt sich wegen vermeintlicher Sünde zu trennen, über das Trennende zu sprechen. Denn manches Reden und Tun wird einfach falsch verstanden.