Vor einem bestimmten Mathelehrer hatte ich in der Schule Angst. Jedesmal wenn er den Raum betrat, hoffte ich, dass die Schulstunde schnell vorüber ging und er mich nicht drannahm. Es war weder Ehrfurcht oder Respekt. Es war einfach nur Angst.
Gott betrat den Raum, beziehungsweise den Berg Sinai. Ein heftiges Donnern und Blitzen, der Klang einer Posaune und ein Rachen des Berges gingen mit seinem Erscheinen einher (Ex 20,18). Der ganze Berg verschwand im Dunkel (Ex 20,21). Und das Volk reagierte so wie ich damals beim Erscheinen dieses Mathelehrers: Angst!
Da sagte Mose zum Volk: Ihr müsst keine Angst haben. Gott ist nur gekommen, um euch auf die Probe zu stellen. Die Furcht vor ihm sollte über euch kommen, damit ihr nicht sündigt.
Die Bibel. (NeÜ)
Gerade hatte Gott Mose seinen Standard, die Zehn Gebote, präsentiert (Ex 20,2-17). Diese Gebote repräsentierten seine Heiligkeit. So perfekt ist er. So ist er. Und er will, dass sein Volk auch so ist wie er, nämlich heilig (Lev 19,2).
Sie waren sie ihrer Sünde bewusst und deshalb blieb ihnen nur die Flucht: Als sie aber solches sahen, flohen sie (Ex 20,18). Sie wussten, in Gottes Gegenwart sind sie verloren. Sie haben in seiner Heiligkeit keine Chance am Leben zu bleiben.
Gott wusste natürlich um ihre Sündhaftigkeit (Gen 6,5; 8,21), aber er war nicht gekommen, um ihr Leben zu nehmen, sondern dem Volk Leben in Gemeinschaft mit ihm zu ermöglichen. Die Furcht vor Gott sollte dem Volk helfen so zu leben, wie sich Gott das vorstellte, nämlich ohne Sünde. Sie sollten die Heiligkeit und Größe Gottes erleben und sich fürchten, um entsprechend heilig zu leben.
Mich erinnert dies an Petrus, als er die Macht Jesu im überwältigenden Fischfang sieht, und seine Reaktion pures Entsetzen ist: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch (Lk 5,8).
Es ist gut vor Gott sich zu fürchten. Es soll aber keine vernichtende Angst sein, sondern eine Furcht, die sich in Ehrfurcht und einem entsprechenden Lebensstil ausdrückt. Denn ich weiß, dass dieser allmächtige und heilige Gott mir in Jesus auch in Liebe begegnet (Röm 5,8). Ich muss nicht vor ihm flüchten, sondern darf in seine liebenden Arme rennen.
