Es ist gut, dem anderen unter die Arme zu greifen. Bei einer Kanutour habe ich einem kleinen Mädchen wortwörtlich unter die Arme gegriffen. Sie war gekentert und hielt sich an einem Stamm, der im Fluss lag, fest. Sie konnte sich aus eigener Kraft nicht aus dem Wasser retten. Klar habe ich ihr dann unter die Arme gegriffen und sie aus dem Wasser ins Kanu gezogen.
Leider denken wir manchmal, dass Gott auch so etwas nötig hätte. Wir meinen, ihm unter die Arme greifen zu müssen. Wir denken, er habe unsere Hilfe und unser Einschreiten nötig. Was für ein absurder Gedanke! Wer bin ich schon im Vergleich zu ihm?
Mose dachte auch so. Er sah einen seiner eigenen Landsleute leiden. Er wurde durch einen ägyptischen Sklavenaufseher misshandelt. Er dachte: Da muss man doch etwas tun!
Mose schaute sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass niemand in der Nähe war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.
Die Bibel. (NeÜ)
Mose ging es gut. Er wuchs am Hof des Pharaos auf, trug schöne Kleider, hatte genug zu essen, war nicht unterdrückt und hatte eine rosige Perspektive vor sich. Er hätte die ganze Szene einfach ignorieren können. Wegschauen. Da ist doch rühmlich, dass er sich für seine unterdrückten und misshandelten Landsleute einsetzte, zumal er wusste, dass Gott sie als die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs für seinen Plan erwählt hatte. Da muss man doch etwas tun!
Er hat etwas getan, nämlich einen ägyptischen Sklavenaufseher ermordet. Er dachte, seinen Landsleuten und Gott damit zu helfen, ihnen unter die Arme zu greifen. Aber was war die Konsequenz seines Handelns? Er hat einen Menschen auf dem Gewissen, musste fliehen und war so keine Hilfe mehr für seine Landsleute. Außerdem hat es an der Situation der Sklaverei überhaupt nichts geändert.
Das ist die Konsequenz, wenn ich denke, Gott unter die Arme greifen zu müssen. Es bringt nichts! Ganz im Gegenteil. Wenn ich denke, Gottes Wege abkürzen zu müssen und eigenmächtig zu handeln, endet das im Chaos. Zu denken, Gott bräuchte mich, ist arrogant und zeugt von meinem eigenen Stolz. Daher ist es nur gut dann zu handeln, wenn, wann und wie Gott es will.
