Vor Kurzem erzählte mir ein Freund, dass seine Frau einer Betrugsmasche ausgesetzt war und dadurch einige tausend Euro verloren hatte. Das ist nur ein Beispiel von sehr viel Bösem, was Menschen anderen Menschen antun. Wo haben mir Menschen in der Vergangenheit Böses angetan?
Josef musste viel Böses ertragen, das Schlimmste war sicherlich, dass seine eigene Familie ihm Schlimmes angetan hatte. Seine Brüder haben ihn zuerst in eine leere Zisterne geworfen, ihn anschließend als Sklaven nach Ägypten verkauft, und dann noch dem Vater vorgetäuscht, Josef sei von einem wilden Tier gerissen worden (Gen 37,23-33). Schlimmer geht’s nimmer.
Als Josef Jahre später darüber spricht, wischt er das ihm Angetane nicht unter den Teppich. Er rächt sich aber auch nicht an ihnen, obwohl es ihm als zweitem Mann im Staat, einfach gewesen wäre. Warum wurde er nicht von Rachegelüsten übermannt? Es wäre doch so nachvollziehbar und auch menschlich gewesen.
Ihr hattet zwar Böses mit mir vor, aber Gott hat es zum Guten gewendet, um zu erreichen, was heute geschieht: ein großes Volk am Leben zu erhalten.
Die Bibel. (NeÜ)
Josef versucht nicht, die Dinge aus menschlicher Sicht einzuordnen, mit menschlichen Augen auf das vergangene Böse zu schauen. Er schaut aus Gottes Blickwinkel die ihm angetanen Dinge an. Er sieht in all dem Bösen, das Menschen ihm angetan haben, Gottes souveränes Handeln darin. Er kann sehen, dass Gott trotz all des menschlich Bösen, das göttliche Gute geschehen ließ.
Josef sah Gottes Versprechen in der Vergangenheit. Er wusste, um den Bund, den Gott mit seinem Vorfahren Abraham geschlossen hatte (Gen 12,2-3; 13,15-16). Er wusste um die Erneuerung des Bundes mit seinem Opa Isaak (Gen 26,3-4) und seinem Vater Jakob (Gen 28,14). Und deshalb konnte er auch seine eigene Rolle in Gottes Plan der Errettung erkennen.
Hat er das schon damals gewusst, als er als Sklave nach Ägypten verkauft wurde, als er zu Unrecht im Gefängnis saß, oder als er zum zweitmächtigsten Mann aufstieg? Wahrscheinlich nicht. Aber als er seine Brüder vor sich sah, wusste er um seine Rolle, ein großes Volk am Leben zu erhalten.
Sehe ich Gottes Wirken in meinem Leben? Sehe ich das Gute, das er wirkt? Ich will lernen, Gottes Blickwinkel einzunehmen.
