Viele Menschen forschen in Stammbäumen und fragen sich: Wo komme ich her? So ähnlich fragt die junge Comic-Figur Calvin seinen Teddy-Tiger HobbesWeißt du, woher die Kinder kommen? Hobbes schaut daraufhin auf dem Wäschezettel in CalvinsHemdkragen nach: Du kommst aus Taiwan[1].

Für viele religiöse Juden des 1. Jahrhunderts war diese Frage essenziell. Wenn jemand seine jüdische Abstammung anhand seines Stammbaumes nachweisen konnte, durfte er sich als Teil des Gottesvolkes bezeichnen. Dieses Privileg hatten nur wenige, die meisten waren Nichtjuden, also Heiden. Als Jude war ich nicht nur Bürger des Gottesvolkes, sondern automatisch auch Kind Gottes!

Paulus fühlte sich vor seiner Bekehrung wie eine Art Vorzeige-Jude (Phil 3,4-6). Darauf hatte er sich viel eingebildet. Er galt als wahres Kind Gottes. Jetzt, als ein Jesus-Nachfolger, warnt er hingegen jüdische Christen vor dieser falschen Ansicht.

Mit anderen Worten: Nicht die Abstammung macht zu Gottes Kindern, sondern die göttliche Zusage führt zur eigentlichen Nachkommenschaft.

Die Bibel. (NeÜ)

Paulus macht deutlich, dass nicht die jüdische Abstammung, sondern allein der Glaube an Jesus retten und einem Menschen Glaubensgewissheit geben kann. Er benutzt einen sinnbildlichen Vergleich von Abraham und Isaak. Alle Juden sind zwar genetische Nachkommen Abrahams, aber nur diejenigen, die unter der Verheißung Gottes an Isaak stehen, sind geistliche Nachkommen (Röm 9,7). So ist Ismael, auch ein leiblicher Nachkomme Abrahams, nicht Teil der Verheißung Gottes an Isaak. Nur mit Isaak machte Gott einen ewigen Bund (Gen 17,19-21).

Mehr oder weniger scheint dies weit von unserer Lebenswelt entfernt zu sein, aber tappen wir nicht in ähnliche Fallen? Nur weil meine Eltern ein Vorbild im Glauben waren, bedeutet das nicht automatisch, dass ich auch Glauben an Jesus habe. Nur weil ich vielleicht als kleines Kind getauft, und später sogar konfirmiert wurde, ist das nicht mit Christsein gleichzusetzen. Die Tatsache, dass ich im sogenannten christlichen Abendland aufgewachsen bin und Teil einer der großen Kirchen in Deutschland bin, macht mich noch lange nicht zu einem wiedergeborenen Christen.

Im christlichen Umfeld wird gerne der Satz gebraucht: Gott hat keine Enkelkinder. Auch wenn diese Phrase ausgelutscht klingt, ist sie doch wahr. Ich bin nur ein Kind Gottes, wenn ich an Jesus glaube (Joh 1,12). Diese Entscheidung muss ich treffen. Es gibt da keinen Automatismus.


[1] Watterson, Bill: Calvin und Hobbes – Auf dem Sprung, Frankfurt am Main: Wolfgang Krüger, 1989.