Wir drohen in der Masse unterzugehen. Der Einzelne spielt oft nur eine Nebenrolle, man wird zum Beispiel nur als Schüler, Mitarbeiter, Rentner oder Pflegepersonal wahrgenommen. Als Teil der großen Masse verliert sich dabei der Einzelne.

Gut, dass Jesus den Einzelnen sieht. Es hatte sich oft auch eine Menge um ihn herum versammelt, übrigens weil sie sich von ihm Heilung (Lk 6,19), einen vollen Magen (Joh 6,26) oder etwas anderes erhoffte (Lk 24,21). Wo andere ausgrenzen (Mt 19,13; Mk 10,48), sieht Jesus den Einzelnen.

Einmal war Jesus bei Kapernaum unterwegs. Eine Menschenmasse folgte ihm (Mk 5,21.24). Die Prominenten waren ganz vorn mit dabei. Wie Jaïrus, der Synagogenvorsteher, der im ganzen Ort bekannt war. Er hatte ein sehr wichtiges Anliegen. Er wollte, dass Jesus kommt, um seine todkranke Tochter zu heilen (Mk 5,23). Und Jesus ging mit ihm (Mk 5,24).

Klar, denken wir, das ist ja auch ein Prominenter. Wir würden ihn als Very Important Person (VIP) bezeichnen. Aber auf dem Weg dorthin passiert etwas Erstaunliches.

Im selben Augenblick spürte auch Jesus, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war. Er drehte sich in der Menge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?

Die Bibel. (NeÜ)

Jesus hält an, fragt nach und kommt ins Gespräch mit einer Frau, die schon seit zwölf Jahren an einer schlimmen Blutkrankheit litt. Sie hatte ihr ganzes Geld in Ärzte und Spezialisten gesteckt. Niemand konnte ihr helfen. Sie war verzweifelt, arm und ganz unten in der Gesellschaft angekommen. Jesus war ihre letzte Hoffnung.

Sie wagt, ihn anzurühren, das hatte ja bei anderen schon etwas gebracht (Lk 6,19). Und tatsächlich, sie wurde auf der Stelle geheilt (Mk 5,29). Eigentlich wollte sie unerkannt bleiben, aber Jesus hatte es bemerkt. Sein Worte Wer hat mein Gewand berührt? stießen bei den Jüngern auf Unverständnis (Mk 5,31). Aber Jesus spürte etwas.

Er hält an, wendet sich dieser Frau zu. Er hört ihr zu. Sie erzählt ihm alles. Er redet mit ihr, nimmt sich Zeit. Der große Menschenzug kommt zum Stillstand, weil Jesus diese Frau so wichtig ist.

Das ist Jesus. Bei ihm gehe ich nicht in der Masse unter. Er hört mir zu, nimmt sich Zeit für mich. Was will ich ihm jetzt erzählen?