Ich sitze im Moment im Zug und habe gerade den Bahnhof Frankfurt Flughafen – Fernbahnhof verlassen. Manchmal gebrauchen wir das Wort Bahnhof, wenn wir etwas Gesagtes nicht verstehen. Wir verstehen dann nur Bahnhof.
Was ist der Grund für mein Nichtverstehen? Liegt es daran, dass ich es akustisch nicht richtig gehört habe? Habe ich es schon gehört, aber das Gehörte nicht verstanden? Habe ich das Gehörte auch verstanden, aber ich ändere mein Verhalten darauf nicht?
Jesus erklärt seinen Jüngern, dass er zu den Nichtgläubigen in Gleichnissen reden würde, damit sie die Lehre von Gottes Reich überhaupt verstehen können (Mk 4,12)? Es ist ihm ein Anliegen, dass möglichst viele zum Glauben an ihn kommen (1 Tim 2,4). Dafür ist es notwendig, dass er so kommuniziert, dass die Zuhörer es verstehen können. Leider weiß er schon, dass sich die Prophezeiung aus Jesaja 6,9 auch jetzt ein weiteres Mal erfüllen wird: Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht! Jesus sagt:
damit sie hinsehen und doch nichts erkennen, damit sie zuhören und trotzdem nichts verstehen, damit sie nicht etwa umkehren und ihnen vergeben wird.
Die Bibel. (NeÜ)
Das erste und zweite damit sind so zu verstehen: damit sich erfüllt, was vorausgesagt ist. Das Dritte damit ist wahrscheinlich in Jesuaramäischem Umfeld mit, es sei denn, dass sie sich bekehren, zu verstehen. Dann ändert sich alles. Auf jeden Fall wäre es falsch, die Gesamtlehre der Bibel außer Acht zu lassen. Es ist also nicht so zu verstehen, dass Jesus absichtlich Menschen mit seinen Gleichnissen verstocken will.
Wenn der andere nur Bahnhof versteht, ist es wichtig, dass ich versuche, die Aussage der Bibel mit Vergleichen, Beispielen, erklärenden Ergänzungen oder Ähnlichem verständlich zu machen. Dann nenne ich das, was ich mit Jesus erlebt habe, nicht Zeugnis(da kommt mir automatisch die Schule in den Sinn!). Auch will ich fromme Worte wie Buße, Sünde, Jesus in mein Herz lassen oderSühne vermeiden, oder ich versuche, sie zumindest zu erklären. Wenn ich fromm rede, versteht mein Gegenüber vielleicht nur Bahnhof. Deshalb will ich meine Zuhörer im Blick haben. Wir reden mit Kleinkindern anders als mit Universitätsprofessoren.
Übrigens bin ich jetzt im Bahnhof Köln/Messe Deutz…
