Von Christen höre ich immer wieder beunruhigende Erzählungen über Sexualität, Geld und Machtmissbrauch.
Auch Tamar hatte eine solche Geschichte. Sie wuchs in einer dysfunktionalen Familie auf, einer Familie, in der gestörte Beziehungen vorherrschten, in der es drunter und drüber ging.
Ihr Schwiegervater war Juda, aus dessen Stamm später der Messias kam. Doch Juda war Gott für eine längere Zeit verhältnismäßig egal. Er hatte eine Heidin geheiratet und war kein guter Vater. Nachdem seine Frau gestorben war, schlief er sogar mit Tamar, weil er sie für eine Hure hielt.
Die beiden Söhne Judas waren gemein und egoistisch. Den einen, Er war sein Name, ließ Gott sterben, weil er böse war. Tamar war seine Frau und blieb nach dessen Tod als Witwe zurück. Der andere, Onan, der nach dem Tod seines Bruders die Pflicht hatte, die Schwagerehe mit Tamar einzugehen, weigerte sich, und Gott ließ auch ihn sterben (Gen 38,7-10). Juda vertröstete Tamar darauf, dass sie den dritten Sohn heiraten dürfte, wenn dieser das entsprechende Alter hätte. Eigentlich aber wollte er das gar nicht, wahrscheinlich weil er das ganze Unglück der Familie auf Tamar projizierte (Gen 38,11). Nachdem Tamar merkte, dass ihr Schwiegervater nur leere Versprechungen gemacht hatte, verkleidete sie sich als Hure und fädelte es so ein, dass sie durch ihren eigenen Schwiegervater schwanger wurde (Gen 38,13-18).
Etwa drei Monate später wurde Juda berichtet: „Deine Schwiegertochter Tamar hat sich mit einem Mann eingelassen und ist sogar schwanger geworden!“ – „Führt sie aus dem Ort hinaus!“, befahl Juda. „Sie soll verbrannt werden.“
Die Bibel. (NeÜ)
Juda, in seiner Selbstgerechtigkeit, wollte sie töten lassen. Erst als sie ihn damit konfrontiert, dass das Kind von ihm sei und er ihr vorher Nachkommen verweigert hat, wird ihm seine Ungerechtigkeit klar (Gen 38,26).
Beide, Juda und Tamar, haben keine ruhmreiche Lebensgeschichte, und doch kommen sie in Jesu Stammbaum vor (Mt 1,3).
Wir leben alle aus der Vergebung Jesu und sind darauf angewiesen. Egal, wie groß meine Sünde ist. Egal, welche Vergangenheit ich habe. Wenn ich als Versager bekennend zu ihm komme, hat er immer Vergebung für mich bereit. Er schämt sich nicht meinetwegen. Ich bin willkommen in seiner Familie, bin Teil seines Stammbaums.
