Als Kind vergewisserte ich mich immer wieder, dass kein Einbrecher unter meinem Bett lag. Ebenso sang ich laut und beeilte mich, wenn ich Getränke aus dem Keller holen musste. Beides tat ich aus Angst.

Jakob hatte auch Angst. Angst vor seinem Bruder Esau (Gen 32,8.12). Nach seinem Betrug im Zusammenhang mit dem Erstgeburtsrecht, musste er fliehen, weil sein Bruder ihn deswegen umbringen wollte (Gen 27,41-43).

Nach vielen Jahren war nun der Moment des Wiedersehens gekommen. Angst stieg in Jakob empor. Fragen quälten ihn. Wie würde sein Bruder wohl reagieren? Hatte er ihm nach all den Jahren vergeben? Würde er nach wie vor einen bitteren Groll haben? Würde Esau ihn töten?

Jakob legte sich eine Strategie zurecht, um seine eigene Haut zu retten. Er würde seinen Besitz und seine Leute in zwei Gruppen aufteilen. Falls Esau die erste Gruppe angreifen sollte, könnte die zweite noch entkommen (Gen 32,9). Nachdem er gebetet hatte (Gen 32,10-13), konkretisierte er seine Pläne. Große Viehherden aus Ziegen, Schafen, Kamelen, Kühen und Stieren mit genügend Puffer zwischen den einzelnen Herden wurden als Geschenk vorausgeschickt (Gen 32,14-17). Den Hirten, die die Herden begleiten sollten, gab er noch diese Botschaft mit.

Und sagt immer: „Dein Diener Jakob kommt auch noch hinter uns her.“ Denn er dachte: „Ich will ihn durch das Geschenk, das vor mir herzieht, versöhnen. Erst dann will ich ihm selbst unter die Augen treten. Vielleicht nimmt er mich freundlich auf.“

Die Bibel. (NeÜ)

Wir können seine Angst spüren! Diese wird noch deutlicher, als er seinen Bruder mit 400 Mann auf sich zukommen sah. Er machte sich Sorgen um seine große Familie. Er teilt sie auf, die unbeliebteren Familienmitglieder zuerst, seine Lieblingsfrau Rahel und seinen Lieblingssohn Josef danach. Immerhin hatte er den Mumm, oder wenigstens das Pflichtgefühl als Oberhaupt der Familie, dem Familientross vorauszugehen (Gen 33,1-3). Aber Angst war dennoch sein Begleiter.

Aber warum hatte er Angst? War ihm Gott nicht extra in der Nacht zuvor noch erschienen (Gen 32,25-30)? War er sich dessen Segen und Gegenwart etwa nicht bewusst?

Gott sagt mir zu, dass ich als sein Kind keine Angst zu haben brauche (2 Tim 1,7). Und doch habe ich oft Angst. Warum eigentlich? Gott ist doch bei mir.