Meine Demut ist mein größter Stolz! Viele kennen diesen lustig gemeinten Ausspruch. Doch er enthält, gerade in unseren Gemeinden, eine traurige Wahrheit. Wie viel von unserer Demut ist zur Schau gestellte Demut? Stolz, auch Hochmut genannt, ist das Gegenteil von Demut, und hat keinen Platz im Leben eines Christen.

Trotzdem scheint Paulus stolz zu sein. Er fügt das am Ende seines Briefes an.

Dass ich vor Gott darauf stolz sein kann, habe ich allein Christus Jesus zu verdanken.

Die Bibel. (NeÜ)

Der Zusammenhang macht klar, dass er über das Evangelium redet, das er verkündigt (Röm 15,16.18-19 | LU84). Manche meinten zwar, dass er ein guter Schriftsteller, aber kein guter Redner sei (2 Kor 10,10). Doch hatten seine gesprochenen und geschriebenen Worte Gewicht.

Und das gilt bis heute. Zum Beispiel hielt Martyn Lloyd-Jones innerhalb von dreizehn Jahren (1955-1968) eine Serie über den Römerbrief von 366 Predigten an der Westminster Chapel in London. Hätte Paulus zu jener Zeit gelebt, hätte er aus menschlicher Sicht nicht allen Grund gehabt, stolz zu sein? Mir wäre da mein Ego sicherlich in den Weg gekommen.

Aber wir müssen genau hinschauen. Paulus ist nicht stolz auf seine Worte, sein Geschriebenes. Er weiß sehr wohl, dass es nicht seine eigenen Worte sind, die eine solche Macht haben. Er hat alles allein Christus Jesus zu verdanken. Es ist Jesu Vollmacht, die seinen Worten solche Macht verleiht. Jesus hat durch ihn gewirkt (Röm 15,18). Er wurde von Gott in seiner Gnade berufen (Röm 15,15). Es war der Heilige Geist gewesen, der so kraftvoll durch seine Worte und Taten wirkte (Röm 15,19). Dass Menschen durch seinen Dienst zum Glauben kamen, war allein Gott zu verdanken (Röm 15,18). Er fühlte sich geehrt, dass er als ehemaliger Gegner Jesu von Gott dazu gebraucht wurde, die Freudenbotschaft des Evangeliums zu den Heiden tragen zu dürfen (Röm 15,20). Paulus war nicht stolz auf sich, sondern auf Gott. Ihm hatte er alles zu verdanken.

Der eine kann gut Cajon spielen, der andere ist ein begabter Prediger und ein dritter stellt ganz treu Stühle für eine Veranstaltung auf. Wir alle sollten dabei aber nur auf den stolz sein, dem wir alles Reden und Tun zu verdanken haben: Jesus.