Wenn eine Freizeit an der Klostermühle zu Ende ging, hat sich des Öfteren die Gruppe öffentlich bei uns als Prediger und beim Küchenpersonal bedankt. Das war sehr nett gemeint, aber was ist mit den Mitarbeitern, die auf dem Gelände, im Büro und im Haus treu ihren Dienst getan haben? Sie sind doch genauso wichtig.
Wie leicht geschieht es auch in der Gemeinde, dass wir unterschiedliche Dienste ganz unterschiedlich bewerten. Und noch schlimmer, was passiert, wenn ich das Lob anderer bewusst oder unbewusst dazu benütze, um niedriger und abschätziger über anderen zu denken? Dieser Gefahr tritt Paulus entschieden entgegen.
Aufgrund der Gnade, die Gott mir gegeben hat, warne ich jeden Einzelnen von euch: Denk nicht höher von dir, als dir zukommt, sondern schätze dich selbst richtig ein! Maßstab dafür ist der Glaube, den Gott jedem von uns zugemessen hat.
Die Bibel. (NeÜ)
Es ist ihm ein so wichtiges Anliegen, dass er seine ganze Vollmacht und Autorität, die er von Gott bekommen hat, einleitend vorausschickt. Dann sagt er: Denk nicht höher von dir. In diesem Vers werden drei unterschiedliche Worte von denken (phroneō) gebraucht: zu hoch von sich denken (hyper-phroneō), denken (phroneō) und vernünftig denken (sō-phroneō). Eine andere deutsche Bibel übersetzt so: …,dass er nicht höher von sich denke (hyper-phroneō), als sich zu denken (phroneō) gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht (sō-phroneō) sei…(SLT).
Nicht das logische Denken, sondern ein bewertendes Denken, bei dem ich mich mit anderen vergleiche, ist gemeint. Ich überschätze mich, fühle mich wichtiger als andere. So ein Denken gilt vielleicht in der Welt, in der ich mich oft als besser geeignet oder überlegener präsentieren muss.
In der Gemeinde gilt das nicht. Der Maßstab für unser urteilendes Denken muss ein zweifaches sein. Zum einen soll ich gar nicht über andere urteilend denken: schätze dich selbst richtig ein. Es geht um das Denken über mich selbst. Zweitens, Maßstab dafür ist der Glaube. Es gilt nicht der Maßstab, den die Welt vorgibt, sondern der Glaube. Ich richte mich nicht mehr an den Maßstäben dieser Welt, sondern ich lasse mein Denken von Gott bestimmen (Röm 12,2). Wenn ich beides tue, bleibt ein Überschätzen aus, im Gegenteil, es führt mich zur Demut und zur Dankbarkeit.
