Ich musste in der Schule viele Erörterungen schreiben. Einleitung, Hauptteil, Schluss. Wer kennt diese Struktur nicht? Im Schlussteil sollte neben einer Zusammenfassung und dem Fazit auch eine persönliche Meinung formuliert werden.

Paulus wusste anscheinend schon, wie man eine Erörterung schreibt. Im Römerbrief listet er in den ersten drei Kapiteln auf, dass sowohl Nichtgläubige, Gutmenschen wie auch religiöse Personen Sünder sind. Nachdem er im Schlussteil seiner Erörterung zusammenfassend festhält, dass alle Menschen Sünder sind (Röm 3,23), zieht er nur ein persönliches Fazit.

Doch werden sie ohne eigenes Zutun durch seine Gnade gerecht gesprochen. Das geschieht aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus Wirklichkeit geworden ist.

Die Bibel. (NeÜ)

Weil wir nach Gottes Maßstab alle Sünder sind, ist seine Schlussfolgerung folgende: Kein Mensch schafft es aus sich heraus, sein Leben zu erlösen. Erlösung verstehen wir meistens als Erleichterung. Wenn jemand nach langer und schmerzhafter Krankheit stirbt, dann sagen wir: Er wurde von seinem Leiden erlöst.

Biblisch steckt aber ein Bild der damaligen Zeit dahinter. Mit Erlösung war das Freikaufen vom Sklavenmarkt gemeint. Wie Gemüse oder Fleisch konnte man auch Sklaven auf dem Markt kaufen. Was für uns ungewöhnlich und Menschen verachtend anmutet, war damals ganz normal. Man zahlte einen Geldbetrag und bekam dafür einen Sklaven. Ein Standardpreis für einen erwachsenen Mann waren im jüdischen Umfeld der damaligen Zeit 30 Silberlinge (Ex 21,32).

Kein Mensch kann aus sich heraus vor Gott gerecht sein und leben. Diese Gerechtigkeit kann mir alleine Gott zusprechen. Ohne seine eigenen Maßstäbe aufzugeben, war das aber nur durch den Tod eines sündlosen Stellvertreters möglich (Röm 6,23). Jesus war ohne Sünde (Joh 8,46; 2 Kor 5,21; Hebr 4,15). Gott hat für meine Erlösung seinen eigenen Sohn aufgegeben, der stellvertretend für mich starb, damit ich freigesprochen und gerecht werden kann (Joh 3,16).

Nur Gott selbst konnte mich erlösen, freikaufen vom Sklavenmarkt der Sünde. Sein Lösegeld war das Leben seines geliebten Sohnes (Röm 5,8). Es ist kein Zufall, dass die Oberen der Juden, gerade mal bereit waren, 30 Silberlinge für den Verrat Jesu durch Judas zu bezahlen (Mt 26,15; 27,9), den Preis für einen Sklaven. Jesus war bereit, diesen Preis zu bezahlen. So hat mich Gott durch Jesus von der Gefangenschaft der Sünde freigekauft!