Wenn man mit dem Auto geblitzt wird, dann erhält man ein paar Wochen einen Brief. Einer dieser Briefe begann bei mir so: Sehr geehrter Herr König, Ihnen wird zur Last gelegt…” Nach der freundlichen Anrede kommt die Bußgeldstelle gleich zum Punkt: Ihnen wird zur Last gelegt. Die Anschuldigungen folgen.
Paulus wurde von den religiösen Juden beschuldigt, gegen das jüdische Gesetz, den Tempel und den römischen Kaiser zu sein (Apg 25,8). Das würde das Todesstrafe als mögliches Urteil zur Folge haben. Doch weder die römischen Statthalter Felix (Apg 24,20.26) und Festus (Apg 25,26), noch der König Agrippa (Apg 26,31) konnte irgend etwas Strafbares an ihm finden. Felix hatte ein kleines Problem. Für ihn, war klar, dass Paulus unschuldig war. Dieser wollte allerdings sein Recht, sich vor dem Kaiser verteidigen zu dürfen, nutzen. Aber jemand vor das oberste Gericht zu senden ohne eine stichhaltige Anklage, machte für ihn keinen Sinn.
Denn es scheint mir unsinnig, einen Gefangenen nach Rom zu schicken, ohne zugleich die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen anzugeben.
Die Bibel. (NeÜ)
Paulus war unschuldig. Das wurde im Laufe der zähen Verhandlungen – immerhin dauerte es mehr als zwei Jahre (Apg 24,27) – deutlich. Dies macht er auch seinen jüdischen Besuchern während seiner zweijährigen römischen Untersuchungshaft deutlich (Apg 28,18.30). Paulus wurde später freigelassen, um ein paar Jahre später dann doch für seinen Glauben hingerichtet zu werden.
Jesus kommt in den Sinn. Er wurde auch von den religiösen Juden der Gotteslästerung und der Rebellion gegen das römische Reich bezichtigt (Lk 23,2). Er wurde vor Pilatus gezerrt und sie forderten die Todesstrafe von ihm. Dieser verhörte ihn und stellte dreimal fest, dass Jesus unschuldig sein (Lk 23,4.15.22). Herodes fand keine Schuld an ihm (Apg 23,15). Und doch wurde Jesus verurteilt und gekreuzigt. Die offizielle Anklage stand über seinem Kopf: Der König der Juden (Mk 15,26).
Auch heute werden jährlich zwischen vier- und fünftausend Christen wegen ihres Glaubens an Jesus getötet. Viele Staaten unternehmen nichts dagegen, es wird toleriert, sogar unterstützt. Obwohl die Christen keinen Aufstand oder eine Rebellion planen, werden sie dennoch als Bedrohung wahrgenommen. Zurecht! Sie haben Angst vor Jesus, weil sie genau wissen, dass er Vollmacht hat (Lk 4,36). Er ist der König der Welt.
