Als Kind trug ich sonntags oft ein Hemd zum Gottesdienst. Das war so üblich. Als Christ zog man sein Bestes zum Gottesdienst an. Heute ist das oft nicht mehr so. Natürlich gibt es Gemeinden, die darauf großen Wert legen, aber in vielen Gemeinden kommen die Besucher eher normal gekleidet, also ordentlich, aber nicht besonders schick. Es geht dabei gar nicht um ethische oder moralische, sondern um zeremonielle Lehren. Es sind Praktiken, die man eben in einer gewissen Gemeinderichtung oder durch eine gewisse kulturelle Gepflogenheit so macht.
Ähnliche Diskussionen gab es schon in den ersten Gemeinden. Im ersten Jahrhundert entstanden weltweit viele Gemeinden. Die meisten bestanden fast ausschließlich aus Heiden, also Nichtjuden. Klar, waren sie in einer hellenistisch-römischen Gesellschaft anders kulturell geprägt. Für manche jüdische Christen war das ein großes Problem. Manche gingen sogar so weit, dass sie behaupteten, zur Errettung gehöre zusätzlich zum Glauben an Jesus auch die jüdische Beschneidung der Männer (Apg 15,1).
Darüber wurde gestritten und es war wichtig, den Gläubigen eine einheitliche weltweit geltende Linie zu geben. Diese Angelegenheit wurde in Jerusalem bei einem Treffen der führenden Apostel behandelt und in einem einheitlichen Beschluss den Gemeinden mitgeteilt.
Dabei wird eines klar: Jesus allein rettet (Apg 15,19). Das haben auch die Reformatoren mit Sola fide (Allein durch Glauben) eindeutig verkündet. Aber um ein friedvolles Zusammenleben von Christen aus unterschiedlichen Kulturen und Hintergründen zu gewährleisten, gab es für die heidnischen Christen ein paar wichtige Leitlinien, die sie beachten sollten.
sondern ihnen schreiben, dass sie folgende Dinge unterlassen sollen: die Teilnahme an Götzenopfern, jede Form von sexueller Unmoral, den Genuss von nicht ausgeblutetem Fleisch und von Tierblut überhaupt.
Die Bibel. (NeÜ)
Es handelt sich bei allen vier Leitlinien um zeremonielle Praktiken, also darum, wie das christliche Leben gestaltet wird. Sexuelle Unmoral ist zwar eine ethisch-moralische Lehre, die allen Christen weltweit und immer gilt. Aber in diesem Fall geht es um eine kulturelle Gepflogenheit, die in der hellenistischen Gesellschaft damals normal war. Viele solcher Ehen waren den Juden verboten (Lev 18). Ein Beispiel dafür waren Ehen zwischen Blutsverwandten (Lev 18,6).
Allein der Glaube an Jesus rettet. Aus Rücksicht auf und Liebe zu anderen Gläubigen, verzichten wir ihnen gegenüber aber bewusst auf gewisse Freiheiten.
