Eine anstrengende Zeit liegt hinter einem. Man will nur noch seine Ruhe, niemanden mehr sehen. Es gibt nur noch das Sofa, den Fernseher und den Kühlschrank, sonst möchte man niemanden mehr sehen. Wenn dann jemand an der Tür steht, das Handy klingelt oder eine wichtige E-Mail in den Posteingang flattert, dann reagiert man oft gereizt. Muss das jetzt auch noch sein? Man sagt das nicht, aber man denkt es.

Die Jünger Jesu haben es gesagt! Sie kamen gerade von einem anstrengenden Evangelisationseinsatz zurück, waren müde und erschöpft. Jesus bemerkt das und will sich mit ihnen zurückziehen, um etwas auszuruhen (Mk 5,30-32). Doch dann tauchen plötzlich viele Leute auf und Jesus hält eine lange Predigt. Ihm haben die Leute leidgetan, er wollte ihnen helfen, sie ermutigen, ihnen das Evangelium mitteilen (Mk 5,34). Als er endlich fertig ist, der Magen der Jünger knurrte und sie sich auf die erhoffte Ruhepause freuten, sagten sie zu Jesus: Wir sind hier in der Mitte von Nirgendwo, in der Pampa, also

lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen.

Die Bibel. (NeÜ)

Sie waren genervt, gereizt, am Ende ihrer Kräfte. Sie sahen zwar den Hunger der vielen Menschen, aber sie wollten, dass sie zügig nach Hause gingen, um zu Hause etwas zu essen. Jetzt war es an der Zeit, dass sie zu ihrem Recht kämen. Ruhepause!

Viele kennen die Geschichte und wissen, wie es weitergeht. Jesus speist die 5000 Männer (dazu kamen noch die Frauen und viele Kinder) mit fünf Broten und zwei Fischen. Die Jünger waren auch da zum Servieren eingeteilt. Das bedeutete Überstunden! Nervig. Muss das sein? werden sie gedacht haben.

Aber ein wichtiger Gedanke wird deutlich: Während die Jünger sich selbst leidtaten, taten Jesus die Menschen leid. Sie jammerten ihn (Mk 5,34). Er sah ihre große geistliche Not, aber dann auch ihre körperliche Not.

Ich muss zugeben, dass mich oft die Jünger-Art und nicht die Jesus-Art kennzeichnet. Ich denke an mein eigenes Wohlergehen und an mich und nicht an andere und deren Wohlergehen. Das merke ich besonders, wenn ich müde bin. Da kommt mein altes Ich zutage (Röm 7,18-19). Welche Art kennzeichnet dich gerade: die Jünger-Art oder die Jesus-Art?